Reichsanzeiger mit Volltextsuche

Der Deutsche Reichsanzeiger und Preußische Staatsanzeiger erschien bis April 1945 als amtliches Presseorgan des Deutschem Reiches und Preußischen Staates.
Ein Digitalisierungsprojekt der Universitätbibliothek Mannheim macht das Amtsblatt und seine Vorläufer online zugänglich.
Mittels automatischer Texterkennung wurden die Scans maschinenlesbar gemacht und können im Volltext durchsucht und in einem Viewer betrachtet werden.
Der Anzeiger ist eine wertvolle Quelle für rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen: Mit Hilfe von Handelsregistereintragungen, Patentanmeldungen sowie Konkursbekanntmachungen lassen sich Daten zu Personen und Unternehmen ermitteln. Die Verlustlisten des Ersten Weltkrieges wurden ebenso im Reichsanzeiger veröffentlicht wie die „Ausbürgerungslisten“ derjenigen Personen, denen im NS-Deutschland zwischen 1933 und 1941 zwangsweise die Staatsbürgerschaft entzogen wurde.

 

Manuscripta Mediaevalia wird Handschriftenportal

Bibliotheken verfügen nicht selten über wertvolle Handschriftenbestände. Man sucht sie allerdings meist vergeblich, kennt man nicht bereits die Signatur aus der Sekundärliteratur oder einem gedruckten Register. Handschriftliche Bücher und andere Manuskripte sind im OPAC oft nicht nachgewiesen, da andere Regeln für ihre Katalogisierung gelten, die nur bedingt in übliche Formate passen.

Nicht viel einfacher ist die Recherche in speziellen Katalogen für Handschriften. Schließlich können bei diesen sehr heterogenen, unikaten Materialien gängige Suchkriterien wie Titel, Autor, Verlag, Erscheinungsjahr und Sachschlagwort nur begrenzt zur Anwendung kommen.

In der zentralen Nachweisdatenbank Manuscripta Mediaevalia kann man sich einen Überblick über Handschriftensammlungen im deutschsprachigen Raum verschaffen. Eine alphabetische Ortsliste führt zu Bibliotheken und gedruckten Sammlungsregistern, die z.T. im Volltext online zugänglich sind. Über ein Suchfeld kann nach einzelnen Manuskripten gesucht werden. Über die Trefferliste gelangt man zum Registereintrag, z.T. mit Initium/Incipit (den ersten Worten der Handschrift bzw. der Seite) und Nennung von Besonderheiten wie z.B. Illustrationen. Zum Teil ist auch eine ausführliche Beschreibung mit Literaturhinweisen, ein Transkript des Gesamttextes und ein Link zum Digitalisat verfügbar. Funktionalität, Design und Zugänglichkeit des Angebots sind aktualisierungsbedüftig. Ein Relaunch ist für 2021 geplant, die Projektseite des neuen –> Handschriftenportals ist bereits erreichbar.

Transkribus

Maschinelles Lernen erfordert die vergleichende Analyse von Daten in möglichst großer Menge und hoher Qualität.
Die automatische Erkennung gedruckter Texte (OCR) hat sich auf dieser Grundlage in den letzten Jahren deutlich verbessert. Das maschinelle Lesen von Handschriften (HCR) steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Es mangelt an Trainingsdaten in Form von korrekten Transkriptionen mit dazugehörigen Bildausschnitten einzelner Zeilen und Begriffe.
Im Rahmen von Quelleneditionen und Erschließungsprojekten werden größere Textkorpora transkribiert. Heterogene handschriftliche Dokumente sind u.a. Gegenstand von Paläographie-Kursen oder individueller lokal- und familiengeschichtlicher Studien. Die Plattform Transkribus soll solche für die Weiterentwicklung der HCR benötigten Dateien und Daten sammeln und daraus Texterkennungs-Modelle für einzelne Sprachen und vergleichbare Schreibstile generieren.
Darüber hinaus bietet die Plattform viele nützliche Funktionen für das Lesen und Bearbeiten verschiedenster Dokumente. Unsere Fotostrecke stellt einige davon vor.

Yizkor Bücher (ספרי יזכור)

„Yizkor“ (יזכור) bedeutet im Hebräischen so viel wie etwas oder jemandem “gedenken” und wird in Gebeten an die Toten verwendet. Ein entsprechendes literarisches Genre entwickelte sich im 13. Jahrhundert in Osteuropa und wurde im 20. Jahrhundert nach dem Holocaust wiederentdeckt. „Memorbücher“ wurden von der Exilgemeinde (לנדסמנשאפט/Landsmanshaft) des jeweiligen Ortes meist in kleiner Stückzahl gedruckt und vertrieben.
Die New York Public Library hat Yizkor-Bücher aus verschiedenen Sammlungen digitalisiert und macht sie online zugänglich, alphabetisch nach Ortsnamen geordnet.
Die von überlebenden Zeitzeugen zusammengestellten Gemeindechroniken, Nekrologe, Karten, Fotos und Illustrationen sind eine wertvolle Quelle, die durch ihren Umfang, fehlende sachliche Gliederung und Register und nicht zuletzt durch die hebräische Schrift/jiddische Sprache schwer zugänglich ist. Um die Nutzung zu erleichtern, fördert ein laufendes Projekt von JewishGen die Übersetzung und Erschließung durch freiwillige Helfer und Spenden.